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„Früher war alles besser“: Wie Mütter mit ungefragten Kommentaren umgehen können

  • Autorenbild: Hanna
    Hanna
  • vor 2 Tagen
  • 13 Min. Lesezeit
Sepia-Collage alter Porträts: Matrosen, eine Mutter mit zwei Kindern und ein Mann im Anzug; auf einer Mütze steht Artillerie.

„Wir haben unsere Kinder auch groß bekommen.“
„Früher wurde um die Kinder nicht so ein Theater gemacht.“
„Ein Klaps hat noch niemandem geschadet.“
„Die Kinder müssen auch mal lernen, sich anzupassen.“
„Ihr macht euch heute viel zu viele Gedanken.“

Solche Sätze fallen oft beiläufig. Beim Familienessen, auf dem Spielplatz, beim Abholen oder genau in dem Moment, in dem dein Kind weint, wütend wird oder deine Nähe braucht.


Vielleicht stammen sie von den Großeltern, anderen Verwandten, Bekannten oder völlig fremden Menschen. Manchmal sind sie als gut gemeinter Rat verpackt. Manchmal klingen sie belustigt, manchmal vorwurfsvoll und manchmal wie ein Urteil über deine gesamte Art, Mutter zu sein.


Was bei der Person vielleicht nur wenige Sekunden dauert, beschäftigt dich möglicherweise noch Stunden später.


War ich zu nachgiebig? Mache ich mir wirklich zu viele Gedanken? Wird mein Kind unselbstständig, weil ich seine Gefühle ernst nehme? Müsste ich konsequenter sein?


Als Mama und Psychologin möchte ich dir etwas Wichtiges mitgeben: Nur weil eine Erziehungsmethode früher verbreitet war, war sie nicht automatisch gut für Kinder. Und nur weil Menschen unter bestimmten Bedingungen groß geworden sind, bedeutet das nicht, dass diese Bedingungen ihnen nicht geschadet haben.


„Wir haben es überlebt“ ist nicht dasselbe wie „Es war gesund“.


Und „Früher war alles besser“ ist keine objektive Beschreibung der Vergangenheit. Es ist häufig eine Mischung aus Erinnerung, Nostalgie, persönlichen Erfahrungen und dem Versuch, die eigene Lebensgeschichte sinnvoll und stimmig zu halten.


Warum wir uns an die Vergangenheit nicht objektiv erinnern


Unser Gedächtnis funktioniert nicht wie eine Videokamera. Erinnerungen werden nicht vollständig abgespeichert und bei Bedarf unverändert abgespielt, sie werden rekonstruiert.


Wenn wir uns an ein Ereignis erinnern, setzen wir einzelne Fragmente wieder zusammen:

  • Bilder,

  • Gefühle,

  • Erzählungen anderer,

  • später erworbenes Wissen,

  • Familiengeschichten,

  • und die Bedeutung, die das Ereignis heute für uns hat.


Dabei können Details verloren gehen, verändert oder unbewusst ergänzt werden. Manche Erfahrungen bleiben besonders lebendig, während lange, alltägliche oder unangenehme Phasen nur noch als unscharfer Hintergrund vorhanden sind.


Das bedeutet nicht, dass Menschen absichtlich lügen, wenn sie von früher erzählen. Ihre Erinnerung kann sich vollkommen wahr anfühlen und trotzdem unvollständig oder verzerrt sein.


Rosige Rückschau: Warum die Vergangenheit oft besser wirkt, als sie war


In der Psychologie wird die Tendenz, vergangene Erfahrungen im Rückblick positiver zu bewerten, häufig als rosige Rückschau oder rosy retrospection bezeichnet.


Unangenehme Einzelheiten und die damalige emotionale Intensität können mit der Zeit verblassen. Übrig bleiben prägnante Geschichten, positive Bilder oder ein allgemeines Gefühl von Vertrautheit.


So wird aus: „Wir hatten wenig Geld, es gab häufig Streit und niemand fragte, wie es mir ging“ möglicherweise: „Wir brauchten früher nicht so viel und waren trotzdem glücklich.“


Aus: „Ich musste funktionieren und durfte nicht widersprechen“ wird vielleicht: „Wir hatten noch Respekt vor Erwachsenen.“


Und aus: „Ich habe mich allein beruhigt, weil niemand gekommen ist“ wird: „Das hat uns selbstständig gemacht.“


Erinnerungen können wertvoll und emotional wahr sein. Sie sind aber keine objektiven Beweise dafür, dass bestimmte Erziehungsmethoden unproblematisch waren.

Du musst deine Entscheidungen als Mutter nicht ständig gegen die Erinnerung anderer Menschen verteidigen. In Mama Selfcare stärkst du deine eigenen Prioritäten und lernst, Grenzen klarer und sicherer zu vertreten.
Müde Mama versucht sich zu entspannen auf einem Steg am See

„Wir haben das früher auch so gemacht“ ist kein wissenschaftlicher Beleg


Wenn eine Generation eine bestimmte Erziehungspraxis überstanden hat, lässt sich daraus nicht ableiten, wie diese Erfahrung auf einzelne Menschen gewirkt hat.


  • Vielleicht hat jemand tatsächlich keine belastenden Folgen erlebt.

  • Vielleicht wurden Folgen nie erkannt.

  • Vielleicht wurden Angst, Unsicherheit, starke Selbstkritik, Bindungsschwierigkeiten oder Probleme mit den eigenen Gefühlen nicht mit der Kindheit in Verbindung gebracht.

  • Vielleicht galt das, was heute als psychische Belastung verstanden wird, damals einfach als Charakterschwäche, Nervosität, Ungehorsam oder mangelnde Disziplin.

  • Und vielleicht hat ein Mensch gelernt, schmerzhafte Erfahrungen so weit von sich fernzuhalten, dass er sie heute nicht mehr als belastend wahrnimmt.


Wir können die Lebensgeschichte anderer Menschen nicht von außen beurteilen. Aber wir müssen ihre persönliche Verarbeitung auch nicht zum Maßstab für unsere Kinder machen.


Der Satz „Mir hat es nicht geschadet“ kann höchstens etwas über die heutige Selbsteinschätzung dieser einen Person aussagen. Er sagt nichts darüber aus, was deinem Kind guttut.


Früher wurden Kinder ebenfalls über längere Zeit von ihren Eltern getrennt


Wenn heutige Mütter kritisiert werden, weil ihr Kind einige Stunden in Betreuung ist, entsteht manchmal das Bild, frühere Generationen hätten ihre Kinder ständig bei sich gehabt.

Historische Aufnahmen erzählen eine differenziertere Geschichte.


Ein Fernsehbeitrag der Abendschau aus dem Jahr 1963 berichtete beispielsweise darüber, dass immer mehr Eltern ohne ihre Kinder in den Urlaub fuhren und die Nachfrage nach Kinderheimen, Zeltlagern, Ferienkolonien und Waldheimen zunahm. Ein weiterer Rückblick des SWR zeigt, dass manche Eltern an die Adria reisten, während ihre Kinder für 14 Tage in einem kostengünstigen Ferienlager untergebracht waren. ARD Mediathek: Ferien mit und ohne Eltern, 1963


Das ist keine Kritik an Ferienlagern. Viele Kinder erleben Ferienfreizeiten als schöne, stärkende Erfahrung. Entscheidend ist etwas anderes:


Die Vorstellung, frühere Eltern hätten ihre Kinder niemals länger fremdbetreuen lassen und moderne Mütter würden ihre Verantwortung an Einrichtungen abgeben, ist historisch nicht haltbar.


Auch früher suchten Eltern Erholung. Auch früher wurden Kinder zeitweise über Tage oder Wochen außerhalb der Familie betreut. Der Unterschied liegt eher darin, wie wir heute über Bedürfnisse, Bindung, Einverständnis, Betreuung und das Erleben der Kinder sprechen.


Besonders problematisch waren die sogenannten Kinderkuren oder Verschickungen der Nachkriegszeit. Millionen Kinder wurden über Wochen in Kurheime geschickt. Viele Betroffene berichteten später von Gewalt, Demütigung, Essenszwang, Toilettenverboten und emotionaler Vernachlässigung. Diese Erfahrungen werden teilweise erst seit wenigen Jahren breiter aufgearbeitet. Planet Wissen: Was geschah mit den Verschickungskindern?


Dass etwas gesellschaftlich akzeptiert war, bedeutet nicht, dass es für Kinder sicher oder gesund war.

Deine Mutterschaft muss keinem verklärten Bild früherer Generationen entsprechen. Entscheidend ist nicht, wie es „damals“ gemacht wurde, sondern was heute zu dir, deinem Kind und eurem Familienalltag passt.

Müde Mama kuschelt mit ihrem Kleinkind

Ein Einkommen konnte früher häufiger eine Familie tragen, aber nicht jede Familie lebte so


Auch wirtschaftlich lassen sich frühere Familienwelten nicht direkt mit heutigen vergleichen.

Das westdeutsche Alleinverdienermodell – der Mann arbeitet, die Frau übernimmt Haushalt und Kinder – war über lange Zeit ein gesellschaftliches Leitbild. Für Teile der Bevölkerung war dieses Modell wirtschaftlich tatsächlich leichter umsetzbar als für viele Familien heute.


Das bedeutet jedoch nicht, dass früher jede Familie problemlos von einem einzigen 40-Stunden-Gehalt leben konnte. Auch damals gab es Armut, beengten Wohnraum und Frauen, die zusätzlich erwerbstätig waren. In der DDR war die hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen zudem ein prägender Teil des Gesellschaftsmodells.


Trotzdem haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich verändert.


Wohnraum beansprucht heute bei vielen Haushalten einen erheblichen Teil des Einkommens. In zahlreichen Regionen sind Mieten und Immobilienpreise stark gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben sich die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen zwischen 2010 und 2025 bundesweit um rund 82 Prozent erhöht. Regionale Unterschiede sind dabei erheblich. Statistisches Bundesamt: Bau- und Immobilienpreisindex


Wenn heute beide Elternteile arbeiten, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass Familien luxuriöser leben möchten oder Mütter ihre Kinder weniger wichtig finden.


Häufig ist das zweite Einkommen notwendig, um Miete, Energie, Lebensmittel, Mobilität, Betreuung und weitere Lebenshaltungskosten zu tragen oder überhaupt langfristige finanzielle Sicherheit aufzubauen.


Der Vergleich „Wir haben das früher mit einem Gehalt geschafft“ ignoriert, dass Preise, Wohnkosten, Erwerbsbiografien, Rentenrisiken und gesellschaftliche Anforderungen nicht dieselben geblieben sind.


Moderne Mütter tragen gleichzeitig alte und neue Erwartungen


Von heutigen Müttern wird erwartet, dass sie finanziell unabhängig sind, beruflich den Anschluss behalten und für das Alter vorsorgen.


Gleichzeitig sollen sie möglichst viel Zeit mit ihren Kindern verbringen, frisch kochen, Termine begleiten, emotional verfügbar sein, Förderung organisieren und einen gepflegten Haushalt führen.


Sie sollen arbeiten, aber nicht zu viel.
Sie sollen ihre Kinder betreuen lassen, aber nicht zu lange.
Sie sollen Grenzen setzen, aber nicht streng wirken.
Sie sollen auf Gefühle eingehen, aber bloß kein „Drama“ daraus machen.
Sie sollen sich selbst verwirklichen, aber niemanden damit belasten.

Frühere Generationen mussten ebenfalls enorme Belastungen tragen. Viele Frauen waren finanziell abhängig, rechtlich eingeschränkt, gesellschaftlich weniger frei und verrichteten schwere Haus- und Sorgearbeit ohne Anerkennung.


Der Punkt ist deshalb nicht, dass früher alles leicht und heute alles schwer ist.

Der Punkt ist: Die Bedingungen sind unterschiedlich und einfache Vergleiche werden dieser Realität nicht gerecht.

Du musst nicht gleichzeitig alle Erwartungen früherer und heutiger Generationen erfüllen. Mama Selfcare hilft dir, herauszufinden, welche Ansprüche wirklich zu dir gehören und welche du nicht länger tragen möchtest.

Frau zeigt einem Jungen bunte Zeichnungen am Tisch; Buntstifte liegen bereit, helle und freundliche Szene.

Früher wusste man weniger über die psychische Gesundheit von Kindern


In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Wissen über kindliche Entwicklung, Bindung, Stress, psychische Erkrankungen und die Folgen von Gewalt erheblich erweitert.


Viele Belastungen wurden früher nicht erkannt oder anders bezeichnet:

  • Ein ängstliches Kind war schüchtern.

  • Ein überfordertes Kind war schwierig.

  • Ein Kind mit Konzentrationsproblemen war faul.

  • Ein Kind mit starken Gefühlen war undiszipliniert.

  • Ein depressiver Jugendlicher war undankbar oder antriebslos.

  • Ein traumatisierter Erwachsener sollte sich zusammenreißen und die Vergangenheit ruhen lassen.


Auch Erwachsene hatten deutlich weniger Sprache und Unterstützung für psychische Beschwerden. Viele litten im Stillen, funktionierten weiter oder versuchten, ihre Belastung mit Arbeit, Kontrolle, Alkohol, Medikamenten oder emotionalem Rückzug zu bewältigen.


Dass bestimmte Diagnosen seltener gestellt wurden, bedeutet nicht automatisch, dass die Erkrankungen nicht existierten. Häufig fehlten Wissen, gesellschaftliche Akzeptanz, diagnostische Möglichkeiten und erreichbare Hilfsangebote.


Heute sprechen wir mehr über psychische Gesundheit: dadurch werden Belastungen sichtbarer. Sichtbarkeit ist nicht dasselbe wie eine plötzliche "Erfindung" dieser Probleme, es gab sie schon viel früher, sie hatten nur keinen Namen.


Gewalt wurde als Erziehung normalisiert


Sätze wie „Eine Watsche hat noch niemandem geschadet“ zeigen, wie selbstverständlich körperliche Bestrafung in vielen Familien war (ja, das war sogar noch in den 90ern normal...).


Noch in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren waren Schläge ein verbreitetes Erziehungsmittel. Bedingungsloser Gehorsam, Anpassung und die fraglose Einordnung in bestehende Verhältnisse gehörten zu den Leitbildern. Historische Darstellungen zeigen, dass Kinder häufig wenig Mitspracherecht hatten und Erwachsene eine weitgehende Gestaltungshoheit über ihr Leben beanspruchten. LEO-BW: Erziehung in den ersten Nachkriegsjahrzehnten


Erst seit November 2000 steht ausdrücklich im Bürgerlichen Gesetzbuch:

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.“


Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind seitdem gesetzlich unzulässig. Deutscher Bundestag: Recht auf gewaltfreie Erziehung


Das war kein nebensächlicher Wechsel in der Erziehungsmode, es war ein grundlegender gesellschaftlicher und rechtlicher Wandel im Verständnis von Kindern und ihren Rechten.


Schreien, Beschämen und Angst galten lange als notwendige Härte


Nicht nur körperliche Gewalt wurde verharmlost. Auch Anschreien, Einschüchtern, Liebesentzug, Demütigung und Beschämung galten häufig als legitime Mittel, um Gehorsam herzustellen.

  • „Hör auf zu weinen.“

  • „Stell dich nicht so an.“

  • „Wenn du nicht aufhörst, gebe ich dir einen Grund.“

  • „Was sollen die anderen von dir denken?“

  • „Du bist zu empfindlich.“


Kinder sollten hart werden, indem ihre Gefühle möglichst wenig Raum bekamen.


Aus heutiger Sicht wissen wir: Kinder lernen Emotionsregulation nicht dadurch, dass Gefühle bestraft oder beschämt werden. Sie brauchen zunächst Co-Regulation – also Erwachsene, die ihnen helfen, intensive Zustände zu verstehen und sicher zu bewältigen.


Das bedeutet nicht, dass moderne Eltern jede Reaktion erlauben oder Grenzen aufgeben sollen.

Gefühle anzunehmen ist nicht dasselbe wie jedes Verhalten zu akzeptieren.

Du kannst sagen: „Ich sehe, dass du wütend bist. Ich lasse nicht zu, dass du schlägst.“

Das ist weder nachgiebig noch respektlos gegenüber früheren Generationen. Es ist eine Verbindung aus emotionalem Verständnis und klarer Grenze.

Du möchtest dein Kind anders begleiten, ohne dich bei jedem Kommentar erklären zu müssen? Mama Selfcare stärkt dich darin, deinen eigenen Weg als Mutter klarer wahrzunehmen und nach außen zu vertreten.

Verrostete Gleisweiche mit mehreren Schienen, Holzschwellen und Schotter; seitlich Gras und Mauer, keine Menschen.

Warum ein anderer Erziehungsweg ältere Generationen triggern kann


Wenn du heute sagst:

„Ich möchte mein Kind nicht anschreien.“

„Mein Kind muss keine Umarmung geben, wenn es das nicht möchte.“

„Wir sprechen über Gefühle.“

„Ich entschuldige mich bei meinem Kind, wenn ich unfair war.“

„Körperliche Strafen kommen für uns nicht infrage.“


dann äußerst du zunächst etwas über deine eigenen Werte.


Bei einer älteren Person kann es jedoch ganz anders ankommen:

„Du hast es damals falsch gemacht.“

„Du hättest mich schützen müssen.“

„Meine Kindheit war nicht in Ordnung.“

„Ich habe meinen Kindern geschadet.“


Auch wenn du das gar nicht gesagt hast, kann dein neuer Weg einen stillen Vergleich auslösen.


Das kann psychologisch unangenehm sein, denn wenn eine Person anerkennt, dass deine Herangehensweise hilfreich ist, müsste sie vielleicht gleichzeitig anerkennen, dass sie selbst etwas Wichtiges nicht bekommen oder anders weitergegeben hat. Diese Erkenntnis kann Trauer, Schuld, Scham oder Wut berühren.


Eine mögliche Reaktion ist Abwehr:

„Das ist doch alles moderner Quatsch.“

„Ihr verweichlicht die Kinder.“

„Uns hat das auch nicht geschadet.“

„Man kann es auch übertreiben.“


Diese Abwehr geschieht nicht immer bewusst. Sie kann helfen, das bisherige Bild der eigenen Kindheit oder Elternschaft aufrechtzuerhalten, das erklärt einen Kommentar möglicherweise, es verpflichtet dich aber nicht, ihn hinzunehmen.


Verständnis für die ältere Generation bedeutet nicht Selbstaufgabe


Viele ältere Menschen haben unter Bedingungen gelebt, die wir uns heute kaum vorstellen können. Krieg, Nachkriegszeit, Verlust, Armut, starre Geschlechterrollen und wenig Zugang zu psychologischer Unterstützung haben Familien geprägt.


Einige konnten ihren Kindern nur das weitergeben, was sie selbst kannten, das verdient Einordnung und Mitgefühl.


Gleichzeitig darf Verständnis nicht bedeuten, dass Verletzungen geleugnet oder Grenzen erneut überschritten werden.


Du kannst beides denken: „Ich verstehe, warum du so geworden bist.“ und „Ich möchte nicht, dass du so mit meinem Kind sprichst.“


Du kannst anerkennen, dass deine Eltern oder Großeltern es nach ihren Möglichkeiten gemacht haben. Und du kannst entscheiden, dass bestimmte Methoden in deiner Familie nicht weitergeführt werden.


Mitgefühl und Grenze schließen sich nicht aus.

Du kannst die Geschichte deiner Familie verstehen, ohne sie genauso fortsetzen zu müssen. Dein eigener Weg als Mutter ist kein Angriff auf frühere Generationen.

Müde Mutter döst auf einem Sessel

Wie du auf „Früher war alles besser“ reagieren kannst


Du musst nicht jeden Kommentar psychologisch erklären oder eine historische Diskussion beginnen. Manchmal reicht ein kurzer Satz.


  • Wenn du freundlich bleiben möchtest

    „Ich weiß, dass ihr vieles anders gemacht habt. Wir haben uns für diesen Weg entschieden.“

    „Danke, ich weiß, dass du es gut meinst. Für uns passt es so.“

    „Heute wissen wir über manche Dinge mehr. Wir orientieren uns an dem, was unserem Kind hilft.“


  • Wenn du keine Diskussion möchtest

    „Das möchte ich nicht weiter diskutieren.“

    „Unsere Entscheidung steht fest.“

    „Wir machen das in unserer Familie anders.“

    „Ich möchte dazu gerade keine Ratschläge.“


  • Wenn dein Kind anwesend ist

    „Wir sprechen nicht abwertend über die Gefühle meines Kindes.“

    „Bitte sage nicht, dass es sich anstellt.“

    „Bei uns muss kein Kind eine Umarmung oder einen Kuss geben.“

    „Ich übernehme das. Bitte mische dich gerade nicht ein.“


  • Wenn Grenzen wiederholt ignoriert werden

    „Ich habe bereits erklärt, dass wir keine körperlichen Strafen und keine abwertenden Kommentare akzeptieren. Wenn das erneut passiert, beenden wir die Situation.“

    „Du musst unsere Entscheidung nicht gut finden. Du musst sie im Umgang mit unserem Kind respektieren.“

    „Wenn du weiter so mit mir sprichst, gehe ich aus dem Gespräch.“


Eine Grenze ist keine Einladung zur Abstimmung. Sie beschreibt, was du akzeptierst und was du tust, wenn die Grenze überschritten wird.


Du musst deine Mutterschaft nicht vor einem Familiengericht verteidigen


Viele Mütter erklären ihre Entscheidungen sehr ausführlich, weil sie verstanden werden möchten.

Sie nennen Studien, Bücher, Empfehlungen und Beispiele. Sie versuchen zu beweisen, dass ihr Weg sinnvoll ist, doch nicht jede Person fragt aus echtem Interesse.


Manche Diskussionen drehen sich nicht um Wissen. Sie drehen sich um Macht, Tradition oder das Bedürfnis, den eigenen Weg bestätigt zu sehen.


Dann führt mehr Erklärung nicht automatisch zu mehr Verständnis. Sie liefert nur neue Punkte, über die gestritten werden kann.


Du kannst eine Entscheidung treffen, ohne eine überzeugende Präsentation darüber zu halten.

„Wir machen es so“ ist ein vollständiger Satz.

Was tun, wenn dich die Kommentare trotzdem verunsichern?


Auch wenn du rational weißt, dass ein Kommentar unfair ist, kann er dich treffen.


Vielleicht berührt er die Angst, keine gute Mutter zu sein. Vielleicht kennst du aus deiner eigenen Kindheit das Gefühl, es allen recht machen zu müssen. Vielleicht fällt es dir schwer, Kritik auszuhalten, besonders wenn sie von den eigenen Eltern kommt.


Frage dich nach einem solchen Gespräch:

  • Was genau hat mich verletzt?

  • Welche Befürchtung wurde in mir ausgelöst?

  • Ist der Kommentar eine Tatsache oder die Meinung eines anderen Menschen?

  • Welche Werte möchte ich in meiner Familie leben?

  • Welche Grenze brauche ich beim nächsten Mal?

  • Mit wem kann ich darüber sprechen, ohne mich erneut rechtfertigen zu müssen?


Du musst die Verunsicherung nicht sofort loswerden. Es reicht, wenn du sie nicht automatisch zur Wahrheit erklärst.

Wenn dich die Erwartungen und Urteile anderer immer wieder von deinem eigenen Weg abbringen, kann es helfen, deine Werte, Bedürfnisse und Grenzen bewusst zu stärken. Genau dafür haben wir Mama Selfcare entwickelt.

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Dabei geht es nicht darum, die perfekte Mutter zu werden oder jeden Kommentar gelassen hinzunehmen.


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Du musst keine Kopie früherer Generationen sein, um eine gute Mutter zu sein. Finde einen Weg, der zu deinen Werten, deinem Kind und deinem Leben passt.

Glückliche Mutter strahlt erleichtert

Fazit: Früher war nicht alles besser, vieles wurde nur kaum hinterfragt


Früher gab es liebevolle Familien, starke Gemeinschaften und wertvolle Erfahrungen.


Es gab aber auch körperliche Strafen, emotionale Härte, Passivrauch, problematischen Alkoholkonsum, lange Trennungen und psychische Belastungen, für die kaum Sprache oder Hilfe vorhanden war.


Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Wir müssen die Vergangenheit weder vollständig verdammen noch romantisieren.

Der gesellschaftliche Wandel der vergangenen Jahrzehnte ist groß. Kinder haben heute ein gesetzlich verankertes Recht auf gewaltfreie Erziehung. Wir wissen mehr über Bindung, Stress, psychische Gesundheit, Entwicklungsbedürfnisse und die Folgen von Gewalt.


Dieses Wissen zu nutzen, bedeutet nicht, dass heutige Eltern alles perfekt machen.

Es bedeutet, dass sie versuchen, es bewusster zu machen.


Wenn du einen anderen Weg wählst, kann das Menschen irritieren. Vielleicht, weil sie sich dadurch bewertet fühlen. Vielleicht, weil dein Verhalten etwas in ihrer eigenen Geschichte berührt. Vielleicht auch nur, weil Veränderung ungewohnt ist.


Du kannst dafür Verständnis haben, aber du musst deinen Weg nicht aufgeben, damit andere Menschen sich mit ihrem eigenen wohler fühlen.


Die Vergangenheit erklärt, woher wir kommen - sie entscheidet nicht, wie wir weitermachen müssen.

Du musst nicht warten, bis dein Körper oder deine Psyche dich zum Anhalten zwingen. Deine Bedürfnisse dürfen schon heute einen festen Platz in deinem Leben bekommen.

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Häufige Fragen zu ungefragten Erziehungstipps


Warum sagen ältere Menschen so häufig „Früher war alles besser“?

Nostalgie, selektive Erinnerung und eine rosige Rückschau können dazu führen, dass positive Aspekte deutlicher erinnert und Belastungen abgeschwächt werden. Außerdem kann ein anderer Erziehungsweg als indirekte Kritik an der eigenen Vergangenheit erlebt werden.

Antworte möglichst kurz und klar: „Danke, wir haben uns anders entschieden“ oder „Das möchte ich nicht diskutieren.“ Du musst deine Entscheidung nicht ausführlich rechtfertigen.

Du kannst sagen: „Körperliche Bestrafung kommt für uns nicht infrage. Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.“ Seit dem Jahr 2000 ist dieses Recht ausdrücklich im Bürgerlichen Gesetzbuch verankert.

Gefühle ernst zu nehmen bedeutet nicht, auf Grenzen zu verzichten. Kinder können Verständnis und klare Führung gleichzeitig erhalten. Ziel ist nicht, jede Frustration zu vermeiden, sondern Kinder bei einem sicheren Umgang mit Gefühlen und Belastungen zu unterstützen - das macht sie wirklich autonom und stark.

Dein anderer Umgang kann bei ihnen unbewusst einen Vergleich mit der eigenen Kindheit oder Elternschaft auslösen. Das kann Abwehr, Rechtfertigung oder Kritik hervorrufen. Dies ist eine mögliche Erklärung, aber keine sichere Aussage über ihre Motive.

Benenne konkret, welches Verhalten nicht akzeptiert wird und was du bei einer erneuten Überschreitung tust: „Bitte beschäme mein Kind nicht. Wenn das wieder passiert, beenden wir den Besuch.“

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